
London 1914
- Stroud/Gloucester 2003
Am 24. November 1914 wird Lynn Russell Chadwick in London geboren.
Nach einer Ausbildung an der Merchant Taylor's School und einem
Aufenthalt in Frankreich arbeitet er 1933 bis 1939 bei verschiedenen
Architektenbüros in London. Chadwick interessiert sich zu dieser Zeit
für Zeichen- und Aquarelltechniken und der Ölmalerei. In den
Kriegsjahren arbeitet er einige Zeit als Landarbeiter, bevor
Chadwick 1941 bis 1945 freiwillig als Pilot der britischen Marine
dient. Anschließend in London beginnt der Künstler mit
Mobile-Konstruktionen zu experimentieren, verdient sich seinen
Lebensunterhalt bis 1952 mit Erfolg, als selbstständiger Designer.
Seine Zusammenarbeit mit dem Architekten Rodney Thomas erweist sich
dabei als prägend und er erhält im Jahr 1951 erste Aufträge für
Skulpturen. Auch eine Soloausstellung kann der Künstler Chadwick schon
1950 beschicken.
Der Künstler Chadwick verwendet für seine Figuren hauptsächlich
verschweißte Eisenteile, die als Mobiles den Arbeiten Calders ähneln,
als Stabiles mit Betonfüllung auf staksigen Beinen stehen und wie eine
Mischung zwischen abstrakten Konstruktionen und figürlichen
Skelettwesen anmuten. In den 50er Jahren erlangt Lynn Chadwick schnell
Anerkennung: seine Objekte erhalten viele Preise u.a. Venedig 1956,
Padua 1959 und Lugano im Jahr 1960. Sie werden auf internationalem
Parkett ausgestellt wie auf der Biennale in Venedig im Jahr 1952 und
1956. Darüber hinaus erhält er weitere Aufträge für
Monumentalskulpturen und verändert dabei langsam seine rauhen, manchmal
aggressiv wirkenden Tier-Figuren zu weicheren, auch sentimentaleren
Kompositionen mit menschlichen Zügen. Immer öfter verwirklicht der
Künstler neben den Standfiguren auch liegende oder sitzende
Figurenpaare. In seinem Wohnort Lypiatt Park, Gloucestershire, richtet
Lynn Chadwick einen eigenen Skulpturenpark ein. Nach der Ernennung zum
Commander of the British Empire im Jahr 1964 wird er 1985 auch Officier
de l'Ordre des Arts et des Lettres. Obwohl Chadwicks Kunst ihre
stärkste Prägung in den 50er Jahren erhält, entwickelt er den Ausdruck
seiner Figuren innerhalb seiner Materialsprache bis zum Ende des
Jahrhunderts stetig weiter. Lynn Chadwick verstirbt am 25. April 2003
in Stroud, Gloucestershire, als einer der bekanntesten Bildhauer der
Nachkriegsgeschichte.